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Die beiden Burgen der Ritterorden

Die Feste Burg an der Warthe

Es ist als sicher anzunehmen, dass die Ritter des Templerordens das alte Pommernkastell da­mals zu einer „Festen Burg" umgebaut haben. Die Burg stand jedoch nicht an der Oder, sondern an der Warthe am Ende der Schiffbauerstraße.

 

Küstrin erhält das Stadtrecht

In den nun folgenden Jahren und Jahrhunderten teilte Küstrin das Schicksal der Neumark. Nach dem Zusammenbruch des Templerordens, der schon im Jahre 1235 zugunsten der pom­merschen Herzöge auf die „terra Custerin", das Land Küstrin, verzichtet hatte, dem im Jahre 1259 aber der Besitz des Landes von dem Polenherzog Boleslaw erneut bestätigt wurde, kam es zu einem Vergleich zwischen den gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III. mit dem Ordensmeister Widekinus mit der Folge, dass im Jahre 1262 die Burg Küstrin mit der Stadt und dem Kietz von den askanischen Markgrafen Brandenburgs81 übernommen wurden. Sie statteten den Marktflecken mit dem „Magdeburger Stadtrecht" aus und erhoben ihn 1300 zur Stadt.

 

Als das um das Wohlergehen der Mark hochverdiente Geschlecht der Askanier 1319 erlosch, war Küstrin herrenlos und wechselte von einer Hand in die andere. 1323 kam es an die wittels­bachischen Herrscher Brandenburgs, 1373 an die luxemburgischen, 1397 wurde es an den Jo­hanniterorden verpfändet und 1402 an den Deutschen Ritterorden verkauft (1455 Rückkauf), der damals unter seinem Hochmeister Konrad von Jungingen auf dem Höhepunkt seiner Macht stand und mit dieser Neuerwerbung eine stärkere Verbindung zum Reich fand. Der Or­den erwarb die Neumark für 63 200 ungarische Gulden, die an den Johanniterorden verpfän­dete Stadt Küstrin löste er mit 1300 Schock böhmischer Groschen gesondert ein.

 

Die Mark: Ein zerrissenes Land

Küstrin wurde nun Sitz des Ordensvogtes der Neumark. Die Neumark oder wie man damals sagte „Die Mark über der Oder - terra Transoderana" war von Ständekämpfen zerrissen und weit entfernt von Ordnung und Wohlstand. Die dorthin entsandten Ritterbrüder empfanden das Land als „zurückgeblieben". Die Ritterbrüder, seit dem Generalkapitel von 1382 als „Deutschherren" bezeichnet, verfügten über vier Reitpferde und trugen den weißen Mantel mit dem kleinen schwarzen Kreuz auf der linken Schulter. Der Mantel der Priesterbrüder reichte bis zu den Füßen; bei den Ritterbrüdern war er kürzer und vorne offen, um beim Reiten nicht hinderlich zu sein. Zum Kampf legten die Ritter den Mantel oft ab und fochten im weißen Waf­fenrock. Zeitweise gab es noch eine große Zahl von „Graumänteln", d. h. leicht bewaffneten ,,Sarjantbrüdern"; ihnen standen nur zwei Pferde zu; sie kämpften auch nach Ritterart. Ge­wappnete Knechte in großer Zahl, meist sogenannte Halbbrüder, zogen mit ins Feld. Einen Rit­ter begleiteten vermutlich etwa zehn Waffenträger geringeren Ranges.

 

Der Oderübergang entsteht

Spätestens unter der Herrschaft des Deutschen Ritterordens wurde die Oderbrücke bei Küstrin gebaut. Zur Sicherung dieses Oderüberganges ließ der Orden an der Oder 1440 von einem Baumeister aus Danzig eine feste Burg errichten, die an einer Seite von der Oder, an den drei anderen Seiten von tiefen Wassergräben und Palisaden geschützt wurde. Ungefähr hundert Jahre später errichtete Markgraf Hans hier in der Nähe der Burg sein Schloss.

 

Den Oberbefehl über die Burg führte ein Schlosshauptmann. Sein Vertreter war der „Kumpan". Einer von ihnen musste stets auf der Feste oder in der Nähe sein, um sie notfalls mit der Besat­zung zu verteidigen. Neben den gewappneten Rittern und Kriegsknechten saßen hier noch ein Burgvogt für Verwaltungs- und Wirtschaftsangelegenheiten und ein Kastner oder Rentmeister, der den Wasser- und Brückenzoll einzuziehen hatte. Dem Befehl des Küstriner Burghaupt­mannes oder Burggrafen unterstand auch das gesamte Land von Küstrin bis Vietz. Die Bewoh­ner des Burgbezirkes mussten der Burg bestimmte Naturalabgaben oder Hand- und Spanndien­ste leisten.

 

Die Bewaffnung der Burg

Die Armierung der Burg erfolgte mit einigen der neu aufgekommenen Donnerbüchsen. Ferner legte der Schlosshauptmann eine Salpetersiederei an und ließ reiche Pulvervorräte ansammeln. Was waren denn nun Donnerbüchsen? Donnerbüchsen, auch Bombarden oder Steinbüchsen genannt, waren schwere, großkalibrige Vorderladergeschützte, die ursprünglich geschmiedet, später in Bronzeguss hergestellt wurden. Als Geschosse dienten bis zu über einen Zentner schwere Steinkugeln. In der Kalibertabelle des italienischen Mathematikers N. Tartaglia (1538) sind Kugelgewichte von 30,45 und 75 kg aufgeführt. Das Laden war sehr umständlich und ge­stattete mitunter nur die Abgabe eines Schusses am Tage. Das Pulver wurde mit einer Lade­schaufel in den Pulversack gebracht, dann wurde - zur Wirkung als Treibspiegel - ein Pfropfen aus weichem Holz in seinen vorderen Teil hineingestoßen und die Kugel in den Flug eingesetzt und dort ringsherum so verkeilt, dass sie in der Mitte des Fluges lag.

 

Die Hussitenkriege

Während der Zeit des Deutschen Ritterordens in der Neumark begannen die Hussitenkriege. Die Hussiten, die Anhänger des Jan Hus, verfolgten nach seinem Tode im Jahre 1415 zwar re­ligiöse Forderungen, wie zum Beispiel Freiheit der Predigt, Laienkelch, Armut des Klerus und staatliche Bestrafung der Todsünder, der Fanatismus der Bewegung war jedoch hauptsächlich von politischen, nämlich antideutschen und nationaltschechischen Motiven bestimmt. In den blutigen Hussitenkriegen seit 1420 verfolgten sie ihre Ziele mit Gewalt. Nicht nur Böhmen, sondern auch Österreich, Ungarn, Bayern, Sachsen, Schlesien und Brandenburg wurden von ihren Scharen verheert. Während die Hussiten auf ihren Raubzügen 1429, 1430 und 1432 die Gebiete westlich der Oder furchtbar verwüsteten, verwehrte ihnen Küstrin den Vorstoß in die Neumark. Und als sie 1433 auf Umwegen die Neumark heimsuchten, konnten Küstrin wie die Stadt Königsberg/Neumark sich der Feinde erwehren.

 

Die Kämpfe um das Küstriner Land

Die Burg Küstrin hat auch eine wichtige Rolle gespielt in dem blutigen Ringen des Deutschen Ritterordens um seine Selbständigkeit Polen gegenüber. Der Deutschen Ritterorden unter sei­nem Hochmeister Ulrich von Jungingen war am 15. Juli 1410 von den Polen bei Tannenberg vernichtend geschlagen worden; der Hochmeister fiel in der Schlacht, der Orden wurde fast aufgerieben. Seine Machtbasis rückte weiter nach Westen, auf Küstrin zu. Küstrin sicherte die Verbindung zwischen Ordensland und Westdeutschland, so dass dem Orden neue Mitglieder und Kriegsknechte zu Hilfe kommen konnten. Als 1454 der letzte Krieg gegen Polen begann, warb der Orden allein bei Küstrin 2000 Kriegsknechte, die von hier nach Preußen marschierten und dann in der Schlacht bei Konitz (1454) gegen Polen siegreich kämpften.

 

Küstrin wird Brandenburgisch

Angesichts der schwierigen Lage, in die der Orden durch den Krieg mit Polen gekommen war, beschlossen die neumärkischen Stände, sich an Brandenburg zu halten und dem Kurfürsten zu huldigen. Die Neumark wurde daraufhin vom Orden, zumal da es diesem auch dringend an Geld zur Entlöhnung der Söldner und damit zur Weiterführung des Abwehrkampfes fehlte, im Jahre 1455 für 40 000 rheinische Gulden wieder an den Kurfürsten von Brandenburg (Kurfürst Friedrich II., 1440- 1470) verkauft. Damit wurde die Burg Küstrin mit der Stadt und dem Kietz für immer brandenburgisch.

 

Die Überlassung war zwar nur als vorübergehend gedacht. Jedoch wurde die Macht des Ordens, der im Frieden von Thorn 1466 Westpreußen an Polen verlor, derart geschwächt, dass der Hochmeister Markgraf Albrecht von Hohenzollern im Jahre 1517 endgültig auf alle Rechte auf die Neumark verzichtete.

8) Burg= künstlich befestigter, rundum gesicherter Ort zum Schutz. Wesentlicher Bestandteil jeder Burg war die schützende Mauer. Sie trug den Wehrgang mit Brustwehr und Zinnenkranz. Zur flankierenden Bekämpfung des Angreifers dienten die Mauertürme. Den Zugang zum Tor sicherte ein Graben mit Zugbrücke. Vor dem Torgraben lag häufig ein Vorwerk oder ein Torzwinger. Der Bergfried. ein großer starker Turm, diente nächst der Mauer der besonderen Sicherung. Das Untergeschoß diente als Burgverlies (Gefängnis).

Gegenüber den Feudalburgen nahmen die Burgen der geistlichen Ritterorden eine besondere Stellung ein. Als fester Wohn­platz für eine größere Anzahl unter strenger Regel lebender streitbarer Mönche waren die Ordensburgen eine Vereinigung von Burg und Kloster.

Askanier= deutsches Grafen- und Fürstengeschlecht, benannt nach der Grafschaft Aschersleben. Albrecht der Bär (1134- 70) gilt als Wegbereiter der Ostkolonisation und als der eigentliche Gründer der Mark Brandenburg. Mit Markgraf Waldemar ( 1308-19) trat das askanische Haus vorn Schauplatz der Geschichte ab.

9) Johanniterorden= ältester geistlicher Ritterorden. gegründet 1048 in Jerusalem. Aus der protestantischen Ballei Brandenburg ging der 1812 gestiftete preußische Johanniterorden hervor.

10) Deutscher Orden. Deutschritter. Deutschherren= geistlicher Ritterorden. gegründet 1190 in Akkon (Palästina). 1226 (Her­mann von Salza) von Konrad von Masowien nach Preußen berufen. 1230-83 Kampf gegen Pruzzen und Litauer. 1309 Ordens­sitz Marienburg. Errichtung des geistlichen und weltlichen Ordensstaates. Blüte 1351-82. Niederlage bei Tannenberg 1410. 1466 unter polnischer Lehnshoheit. Residenz nach Königsberg/Preußen verlegt. 1522 evangelisches und weltliches Herzog­tum Preußen.

11) Jan Hus = tschechischer Kirchenreformer. geboren um 1370. gestorben 1415.

700 Jahr Feier

"Vor 700 Jahren geboren, Zum Fischerdorf erkoren, Wuchst Du zur Stadt empor, Mit Festungswall und Tor.

Trotztest der Feinde Jeglichem Stoße,

Es weilte in Dir

Friedrich der Große.

So rollten Jahrhunderte Über Dich hin,

Heut bist Du umjubelt,

Du altes, erblühtes Küstrin."